Kiel

Handball Bundesliga

Seit über 50 Jahren ist die Handball-Bundesliga ein Garant für herausragenden Handball in Deutschland. In den späten 60ern bis zum Anfang der 90er-Jahre dominierten Vereine wie der VfL Gummersbach und der TV Großwallstadt. Später setzte hauptsächlich der THW Kiel Akzente in der Liga. Und mit dem SC Magdeburg kämpft auch ein Verein aus der ehemaligen DDR erfolgreich um die deutsche Meisterschaft mit. Er gewann zuletzt in der Saison 2021/22.

Neben berühmten Vereinen haben berühmte Spieler die Geschichte der Handball-Bundesliga geprägt. Stars wie Heiner Brand, Erhard Wunderlich, Joachim Deckarm und „der Hexer“ Andreas Thiel sind nicht nur den leidenschaftlichsten Handballfans ein Begriff. Oft durften wir großartige Spiele verfolgen. So besiegte der TV Großwallstadt den VfL Gummersbach in der Saison 1977/78 am letzten Spieltag sehr knapp mit 12:11. Sein Sieg verdrängte die Gummersbacher vom 1. Platz und machte die Großwallstädter zum Deutschen Meister. 

Tauche jetzt mit uns ein in die faszinierende Welt der deutschen Handball-Bundesliga. Erfahre mehr über die Top-Teams, die besten Spieler, herausragende Momente und Rekorde: Wann lief das torreichste Spiel der Liga? Wer ist der Spieler mit den meisten Bundesligaeinsätzen? Wir verraten es Dir. Begleite uns am Ende auch ein Stück weit in die Zukunft. Wir wagen einen Ausblick auf die Saison 2023/24. 

Grundwissen zur Handball-Bundesliga

  • Die deutsche Handball-Bundesliga entstand im Jahr 1966. Damals traten 16 Mannschaften an, jeweils 8 in 2 Staffeln. Am Ende gab es mit dem VfL Gummersbach einen eindeutigen Sieger.
  • Organisiert wird die deutsche Handball-Bundesliga von der Handball-Bundesliga GmbH. Als Dachverband existiert der Deutsche Handballbund (DHB). 
  • Offiziell heißt die Liga seit der Saison 2019/20 aufgrund ihres Hauptsponsors „Liqui Moly Handball-Bundesliga“. Zuvor waren der Autohersteller Toyota und später die Deutsche Kreditbank namensgebende Sponsoren der Liga. 
  • In der Saison 2021/22 spielten 18 Mannschaften in der Handball-Bundesliga. Deutscher Meister wurde der SC Magdeburg. Absteiger waren die Spielgemeinschaft HBW Balingen-Weilstetten und der TuS N-Lübbecke. 
  • In den Jahren bis zum Ende der zweigleisigen Handball-Bundesliga im Jahr 1977 war der VfL Gummersbach die dominierende Mannschaft. In dieser Zeit wurde die deutsche Meisterschaft 11 Mal ausgetragen – 6 Mal davon holten sich die Gummersbacher den begehrten Titel. 
  • Mit 19 Meistertiteln seit der Gründung der Handball-Bundesliga führt der THW Kiel die Bestenliste an. Zuletzt gewann der Verein 2020 und 2021 den Titel. Auf Platz 2 liegt der VfL Gummersbach mit insgesamt 12 Meistertiteln. Den letzten gewann er allerdings im Jahr 1991. 
  • Unglaubliche 2.262 Feldtore und 643 verwandelte Siebenmeter machen den Südkoreaner Yoon Kyung-Shin zum erfolgreichsten Torschützen der Handball-Bundesliga. Insgesamt wurde er 7 Mal Torschützenkönig – in der Saison 2000/01 mit insgesamt 324 Treffern. Auch das ist ein Rekord. Kyung-Shin spielte zwischen 1996 und 2006 beim VfL Gummersbach und anschließend für 2 Jahre beim HSV Hamburg. 2001 wurde er Welthandballer des Jahres. 
  • Ein weiterer herausragender Spieler der Handball-Bundesliga war Erhard (Sepp) Wunderlich. Sein Name ist auch vielen geläufig, die sich ansonsten kaum mit Handball auskennen. Er gewann in den Jahren 1982 und 1983 mit dem VfL Gummersbach sowohl die Deutsche Handballmeisterschaft als auch den DHB-Pokal und wurde jeweils bester Torschütze der Saison. 1982 war er mit 214 Treffern der 1. Torschützenkönig der Handball-Bundesliga, der die 200-Tor-Marke überschritt.

Die faszinierende Geschichte der Handball-Bundesliga

Als die Handball-Bundesliga 1966 begann, startete sie mit zwei Gruppen: der Staffel Nord und der Staffel Süd. In beiden Staffeln ermittelten jeweils 8 Teams den Tabellenersten. In der Staffel Nord war das der VfL Gummersbach, in der Staffel Süd der TV Hochdorf. Beide spielten anschließend um die Deutsche Meisterschaft, wobei der VfL Gummersbach klar mit 23:7 gewann.

In der Saison 1969/70 änderte sich der Modus. Nach wie vor gab es die beiden Staffeln Süd und Nord. Allerdings qualifizierten sich nun die zwei Bestplatzierten der Staffeln für die Endrunde. Deutscher Meister wurde damals der TSV Grün-Weiß Dankersen.

Die Saison 1977/78 war danach die erste „eingleisige“ in der Handball-Bundesliga – die Aufteilung in die Staffeln Nord und Süd wurde abgeschafft. Damals kämpften 14 Teams um den Meistertitel. Über weite Strecken dominierte der VfL Gummersbach die Saison. Am Ende sicherte sich aber der TV Großwallstadt die Meisterschaft. Die Großwallstädter wurden auch in den kommenden 3 Saisons Deutscher Meister. 

In der Saison 1989/90 wurde der Modus erneut verändert. Für die kommenden Jahre wurden Playoffs eingeführt. Jeweils 2 der besten 8 Teams der Abschlusstabelle traten in einem Viertelfinale an, die verbleibenden 4 kämpften anschließend im Halbfinale um den Einzug in die Finalspiele. Meister wurde schließlich der TV Großwallstadt. 

Westdeutsche und ostdeutsche Vereine machten nach der Wiedervereinigung Deutschlands den jeweiligen Meister in der Saison 1990/91 zwar noch unter sich aus, anschließend spielten die beiden Meister allerdings gegeneinander in einem gesamtdeutschen Finale. Damals siegte der VfL Gummersbach gegen den SC Magdeburg im Hinspiel mit 18:15, während die Magdeburger das Rückspiel mit 16:14 für sich entschieden. Das Gesamtergebnis lag somit bei 32:31 – damit entschied der VfL Gummersbach die Gesamtmeisterschaft für sich. 

In der folgenden Saison 1991/92 traten erstmals westdeutsche Vereine und Teams aus der ehemaligen DDR von Anfang an in der Handball-Bundesliga gegeneinander an. Da ausnahmsweise 28 Teams an der Meisterschaft teilnahmen, wurde für ein Jahr der Spielmodus mit einer Süd- und einer Nordstaffel wiederbelebt. Die besten vier der beiden Staffeln traten zu den Playoffs an. In den Finalspielen setzte sich SG Wallau/Massenheim in zwei Spielen mit 24:17 und 18:16 gegen SG Leutershausen durch.

Mit dem SC Magdeburg gewann in der Saison 2000/01 erstmals ein Team aus der ehemaligen DDR eine Meisterschaft im vereinigten Deutschland. Die Magdeburger waren die erfolgreichste Mannschaft der bis 1991 existierenden Handball-Oberliga der DDR. Meister in der deutschen Handball-Bundesliga wurden sie bisher 2 Mal – 2001 und zuletzt 2022.

Die wichtigsten Ereignisse in der deutschen Handball-Bundesliga

  • 1966: Am 15. Oktober finden die ersten Spiele in der neu gegründeten Handball-Bundesliga statt. Die deutlichsten Siege feierten an jenem Tag SG Leutershausen, dessen Team gegen den TSV 1861 Zirndorf mit 19:10 gewann, und der spätere Finalteilnehmer VfL Gummersbach. Er besiegte den VfL Bad Schwartau mit 23:12. 
  • 1977/78: Die Aufteilung in Staffel Nord und Süd wird aufgehoben – ab jetzt spielen alle Vereine in einer gemeinsamen Liga.
  • 1990/91: Die ost- und westdeutschen Meister treten in einem gesamtdeutschen Finale gegeneinander an. Ab dem Folgejahr spielen alle Vereine in der Handball-Bundesliga.
  • 2005/06: Der THW Kiel und der SC Magdeburg schreiben am 20. Dezember 2005 Handballgeschichte. Im bisher torreichsten Spiel der Handball-Bundesliga besiegt der THW Kiel die Magdeburger mit 54:34. Torschützenkönig der Partie ist der für Kiel spielende Franzose Nikola Karabatic. Die Kieler werden in der Saison 2005/06 Deutscher Handballmeister vor SG Flensburg-Handewitt.
  • 2007/08: Das Spiel mit der größten Tordifferenz zwischen den beiden Gegnern findet am 4. März 2008 in der Saison 2007/08 statt. Damals siegt der HSV Hamburg gegen den Wilhelmshavener HV mit 44:17. Auf Platz 2 der Spiele mit großer Tordifferenz in der Liga folgt ebenfalls ein Spiel des HSV Hamburg: Am 6. Juni 2009 besiegen die Hamburger den Stralsunder HV mit 43:16. 
  • 2011/12: Am 2. Juni 2012 besiegt der THW Kiel in einem Heimspiel den VfL Gummersbach mit 39:29 und wird Deutscher Meister. Es ist der 34. Sieg im 34. und letzten Spiel der Saison 2011/12. Damit gelingt es erstmals einem Team in der Handball-Bundesliga, eine Saison komplett ohne Punktverlust abzuschließen. Die makellose Bilanz für den THW Kiel lautet 68:0. 
  • 2014/15: Und gleich noch ein Rekord: Von 2004/05 bis zur Saison 2014/15 gewinnen die Kieler mit einer einzigen Ausnahme in jedem Jahr die Meisterschaft.
  • 2021/22: Seit dem 19. Dezember 2021 ist der Däne Hans Lindberg alleiniger Rekordhalter bei den Siebenmeterschützen. Damit lässt er den ebenfalls aus Dänemark stammenden Lars Christiansen hinter sich. Lindberg kommt zum Ende der Saison 2021/22 insgesamt auf 1.296 Siebenmetertore. Christiansen folgte mit 1.224 und der Deutsche Martin Schwalb mit 945 Treffern.

Handball-Bundesliga: DAZN Bet-Quiz

Kennst Du Dich gut mit der deutschen Handball-Bundesliga aus? Wer ist der Rekordspieler mit den meisten Bundesliga-Einsätzen? Wen hat eine Jury 1999 zum deutschen Handballer des Jahrhunderts gewählt? Teste es einfach mit dem folgenden kleinen Quiz! Auf wie viele richtige Antworten wärst Du ohne Hilfe gekommen?

Wer hat als Rekordspieler die meisten Bundesliga-Einsätze absolviert?

Carsten Lichtlein heißt der Rekordhalter der Handball-Bundesliga bei der Frage nach den meisten Spieleinsätzen. Er spielte ab der Saison 2000/01 bis 2004/05 beim TV Großwallstadt. Zu den weiteren Bundesligastationen des Torhüters gehörten unter anderem der TBV Lemgo und der VfL Gummersbach. Am 12. Juni 2022 trat Lichtlein zu seinem letzten Bundesligaspiel an. Es war sein 712. Spiel in der Handball-Bundesliga. 

Einen weiteren Rekord stellte er mit seinen 547 gehaltenen Siebenmetern auf. Lichtlein war auch deutscher Nationalspieler und gewann 2007 mit der deutschen Nationalelf die WM. Allerdings war er damals nur dritter Torhüter und kam nicht zum Einsatz. Später konnte er aber auch im Nationalteam glänzen, etwa 2015 beim 23:16 gegen Ägypten während der Weltmeisterschaft in Katar. 

Wer wurde 1999 Deutschlands Handballer des Jahrhunderts?

Erhard (Sepp) Wunderlich. Der Name ist in diesem Beitrag bereits gefallen. Wunderlich gehörte zu den bedeutendsten Spielern des deutschen Handballs und hatte seine große Zeit in der deutschen Handball-Bundesliga primär beim VfL Gummersbach. Mit den Gummersbachern wurde der Rückraumspieler 1982 sowie 1983 Deutscher Meister und zugleich Torschützenkönig der Handball-Bundesliga. Wunderlich gewann darüber hinaus mit dem VfL Gummersbach den DHB-Pokal 1982 und 1983 sowie den Europapokal der Landesmeister 1983. 

1981 und 1982 wurde Wunderlich in Deutschland Handballer des Jahres. In dieser Zeit galt er vielen als bester Handballer der Welt. 1983 wechselte er für ein Jahr zum FC Barcelona. Mit den Spaniern gewann er 1984 den nationalen Pokal und den Europapokal der Pokalsieger. 1999 wählte ihn eine Trainer-Jury zu Deutschlands Handballer des Jahrhunderts.

Warum spielten 19 statt 18 Teams in der Saison 2014/15? 

Die Saison 2014/15 war eine etwas kuriose Saison für die deutsche Handball-Bundesliga. In der vorherigen Saison 2013/14 hatten 18 Mannschaften um die Meisterschaft gekämpft, die am Ende vom THW Kiel gewonnen wurde. In 2014/15 gab es dann 19 Teams in der Bundesliga. Den Grund dafür lieferte der HSV Hamburg. Sportlich lief alles einigermaßen rund bei den Hamburgern. In der vergangenen Saison hatten sie einen 4. Tabellenplatz erreicht. 2013 gewannen die Hanseaten sogar die EHF Champions League. Finanziell war der HSV Hamburg dagegen angeschlagen, weshalb er zunächst keine Lizenz für die erste Handball-Bundesliga bekam. 

Dafür durfte der 16. Platz der Saison 2013/14, die Spielgemeinschaft HBW Balingen-Weilstetten, in der ersten Handball-Bundesliga bleiben. In letzter Instanz schafften es aber auch die Hamburger noch, beim Schiedsgericht der Handball-Bundesliga eine Lizenz zu erstreiten. Hamburg blieb erstklassig, Balingen-Weilstetten ebenfalls. Meister wurde damals der THW Kiel. Nach der Saison stiegen 4 statt normalerweise 3 Clubs ab. Die Saison 2015/16 war dann wieder eine mit 18 Teams. Meister waren dieses Mal die Rhein-Neckar-Löwen. 

Welcher Verein stoppte 2011 die Meisterschaftsserie des THW Kiel?

Der THW Kiel wurde 2005 und 2006 Meister der Handball-Bundesliga. In den Jahren 2007 bis 2009 gewannen die Kieler sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal; 2010 dann wieder „nur“ die Meisterschaft. Damit kamen die Kieler auf 6 Meisterschaften hintereinander, was zuvor – und bis heute – in der Handball-Bundesliga kein anderes Team geschafft hat. 

2011 waren allerdings die Hamburger vom HSV Hamburg das bessere Team. Sie erreichten am Ende 62:6 Punkte, während die Kieler auf Platz 2 nur 55:13 Punkte schafften. Als Trost blieb für die Kieler der DHB-Pokal. Ab 2012 war der THW Kiel dann aber auch wieder „meisterlich“. Er blieb es ohne Unterbrechung bis 2015 und wurde es dann nochmals in den Jahren 2020 und 2021. Damit unterstrich der Kieler Verein die immense Bedeutung, die er für den deutschen Liga-Handball seit etwa Mitte der 90er-Jahre besitzt.

Unsere Prognosen: Handball-Bundesliga 2023/24

Nach einer langen Phase eines nahezu übermächtigen THW Kiel konnten seit der Saison 2015/16 neben Kiel drei andere Teams die Meisterschaft in der deutschen Handball-Bundesliga für sich entscheiden. Jeweils 2 Mal siegten die Rhein-Neckar-Löwen, die SG Flesburg-Handewitt und der THW Kiel. 2022 errang nach über 10 Jahren der SC Magdeburg erneut den Meistertitel. Alle 4 Vereine kämpfen zumindest zeitweise auch in der Saison 2022/23 auf vorderen Plätzen. Mit ihnen wird vermutlich auch in der kommenden Saison zu rechnen sein. 

Immer wieder chancenreich, ohne jemals Meister der Handball-Bundesliga geworden zu sein, sind die Füchse Berlin. Ob sie es endlich in der Saison 2023/24 schaffen werden, hängt davon ab, wie gut sie den Weggang von Hans Lindberg kompensieren können. Im Oktober 2022 war bekannt geworden, dass sein Vertrag bei den Berlinern nicht verlängert wird. In der Saison 2021/22 war der 1981 geborene Däne mit 242 Treffen bester Torschütze der Liga. Für Vereine wie die Berliner wird es also darum gehen, sich gut zu verstärken. Geld ist ein wichtiges Thema. HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann mahnte im Sommer 2022, den Etat der Liga in den kommenden 5 Jahren zu verdoppeln. Wir werden sehen, wie gut das gelingt.