Roberto Di Matteo of Chelsea Legends in action

Exklusiv-Interview mit Roberto Di Matteo: Chelsea im Top-Sechs-Rennen, aber Stürmerpflicht. Villa: Fokus auf Conference League. Hazard – Trainingsschreck der Verteidiger!

Im exklusiven Gespräch mit DAZN Bet gibt der Champions-League-Gewinner und ehemalige Chelsea-Mittelfeldspieler Roberto Di Matteo seine Einschätzung zu Mauricio Pochettinos Team ab. Der frühere Spieler von Lazio Rom, der 34 Mal für Italien auflief, sieht die Champions-League-Qualifikation für Chelsea als schwer erreichbar an. Außerdem spricht er sich für den Kauf eines neuen Stürmers im Januar aus.

DAZN BET: Die nächsten zwei Spiele von Chelsea – gegen Manchester City und Newcastle United – sind nicht gerade einfach. Wie gehen sie aus?

Roberto Di Matteo: Diese schweren Spiele könnten Chelsea tatsächlich entgegenkommen! Gegen eine Mannschaft zu spielen, die sich mit vielen Spielern hinter dem Ball verteidigt und vor dem Sechzehner wartet ist nicht einfach. Es ist schwieriger, den Gegner zu durchbrechen und Räume zu finden. Ich habe Chelseas erstes Saisonspiel gegen Liverpool gesehen – sie haben wirklich toll gespielt. Auch gegen Arsenal waren sie klasse. Ich denke, solche Teams könnten Chelsea liegen. Die Ergebnisse könnten uns alle überraschen!

DZBT: Wie ist Ihre Meinung zu den Transfergerüchten im Januar: Ivan Toney als möglicher Neuzugang im Sturm für Chelsea. Sollten die Blues Ihrer Meinung nach ihre Optionen im Angriff verstärken oder lieber anderswo? Haben sie schon genug Stürmer im Kader?

Roberto Di Matteo: Chelseas Kader ist sehr gut, benötigt jedoch noch Zeit, um sich zu finden. Auch Pochettino braucht Zeit, um ein positives Umfeld zu schaffen, in dem jeder den anderen kennt und sich einleben kann. Dies ist ein junges Team. Nicolas Jackson und Cole Palmer sind gut und noch jung, aber erfahrene Spieler sind auch wichtig, wenn sie in der Premier League mithalten wollen. Chelsea benötigt einen starken Mittelstürmer, der 20 Tore pro Saison schießt. Das würde einen riesigen Unterschied ausmachen.

DZBT: Muss Chelsea also auf dem Premier-League-Markt einkaufen? Sie wollen einen erfahrenen, bewährten Stürmer sehen.

Roberto Di Matteo: Ich würde nicht unbedingt sagen, dass sie einen Stürmer aus der Premier League kaufen muss. Aber es stimmt: Chelsea braucht einen bewährten Torschützen.

DZBT: Was sagen Sie zum Auftakt von Todd Boehly bei Chelsea? Er hat seinen Worten Taten folgen lassen und viele Spieler geholt. Nach fast zwei Jahren, wie beurteilen Sie seine Amtszeit?

Roberto Di Matteo: Es ist normal, dass ein Verein umfassende Veränderungen erlebt, wenn ein neuer Eigentümer kommt. Jeder wusste, dass sich Chelsea als Verein verändern würde. Das neue Konsortium bringt seine eigenen Leute und es gab viele strukturelle Änderungen. Chelsea kann eine starke Plattform aufbauen, sobald sie mit dem neuen Personal bzw. den getroffenen Anpassungen zufrieden sind. Ähnlich wie bei einem Haus braucht ein Verein ein starkes Fundament.

DZBT: Wo sehen Sie Chelsea am Ende der Saison? Ist ein Kampf um einen europäischen Platz realistisch – trotz des aktuellen Tabellenstandes?

Roberto Di Matteo: Ein Platz unter den Top Sechs ist auf jeden Fall erreichbar. Aber die Top-Vier ist wohl zu weit entfernt.

DZBT: Was sagen Sie zu den bisherigen Sommertransfers? Nicolas Jackson ist ein Naturtalent, kommt aber aus einer anderen Liga. Wie bewerten Sie die Neuzugänge? Gibt es Spieler, die Sie besonders beeindruckt oder enttäuscht haben?

Roberto Di Matteo: Die Neuzugänge sind alle hochwertige Spieler. Einige haben ein enormes Potenzial. Wenn Sie aber ein Unternehmen haben und 10 von 30 Mitarbeitern austauschen, kann das eine störende Wirkung haben. Solche Dinge brauchen einfach Zeit.

Ich weiß, Ergebnisse sind das A und O im Fußball, aber mehr können sie momentan nicht tun. Die neuen Spieler sind hochtalentiert – und der Trainer auch. Wir müssen nur geduldig sein.

DZBT: Mykhailo Mudryk ist ein weiterer Spieler, der Zeit braucht. Welchen Rat würden Sie ihm geben, um das Weltklasse-Niveau zu erreichen, das er angedeutet hat?

Roberto Di Matteo: Weltklasse-Spieler zeichnen sich durch Kontinuität aus. Wenn Mudryk jede Woche auf hohem Niveau spielt, ist er auf dem richtigen Weg. Er hat Einblicke in sein Talent gezeigt, aber er muss diese Leistungen in jedem Spiel abrufen. Das ist der Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Spieler.

DZBT: Sie sagen, die Top-Vier ist für Chelsea möglicherweise unerreichbar. Welche Teams kommen in die Top-Vier?

Roberto Di Matteo: Das ist eine gute Frage! Wenn ich wüsste, wer in den Top-Vier landet, würde ich etwas Geld daraufsetzen! Aber ich weiß es noch nicht – es ist einfach zu früh. Aber das macht die Liga sehr spannend. Newcastle und Aston Villa sind in letzter Zeit in guter Form, und Man United kann noch kommen. Mannschaften wie Man United und Chelsea sind in der Lage, eine Serie von acht oder neun Siegen hinzulegen. Man City und Tottenham werden oben bleiben, und auch Liverpool und Arsenal sind im Rennen. Aston Villa kann es schaffen, wenn sie ihre Form beibehalten. Newcastle spielt auch in der Champions League – das kann viel Energie rauben. Es wird ein faszinierender Kampf sein.

DZBT: Werfen wir einen Blick auf Ihren Abgang bei Chelsea. Es ist fast ein Jahrzehnt her, seit Sie den Club verlassen haben. Von außen betrachtet schien die Entscheidung hart. Was sagen Sie dazu?

Roberto Di Matteo: So ist das Leben eines Trainers! Man weiß, dass solche Dinge passieren werden. Jeder hat es erlebt. Es ist Thomas Tuchel, Jose Mourinho, Carlo Ancelotti passiert. Jeder Trainer (mit Ausnahme von Pep!) verliert irgendwann seinen Job. Es ist enttäuschend aber es ist einfach ein Teil des Geschäfts.

DZBT: Haben sie jemals mit Roman Abramovich gesprochen nach Ihrem Abgang?

Roberto Di Matteo: Nein, Roman und ich haben nie über meine Entlassung geredet. Aber ich habe mit ihm gesprochen, als ich Spiele besucht habe. Es ist alles in Ordnung zwischen uns.

DZBT: Viele waren überrascht, Rafa Benitez bei Chelsea zu sehen, besonders aufgrund seiner Vergangenheit bei Liverpool. Hat Sie das auch verwundert?

Roberto Di Matteo: Mich überrascht im Fußball nichts mehr!

 

2016 war Di Matteo bei Aston Villa tätig – seine letzte Station als Manager. Die Villans haben unter Unai Emery einen beeindruckenden Start in die Saison hingelegt und kämpfen erneut um die europäische Qualifikation.

DZBT: Was kann Aston Villa in dieser Saison erreichen? Ist ein Top-Sechs-Platz realistisch?

RDM: Unai Emery ist ein außergewöhnlicher Manager. Er hat Erstaunliches erreicht bei Aston Villa. Wenn man die Premier-League-Tabelle seit seinem Amtsantritt betrachtet, ist Villa nah an der Spitze. Sie spielen großartigen Fußball. Ich bin gespannt, was sie in dieser Saison erreichen. Die Niederlage gegen Nottingham Forest müssen sie erst einmal verkraften, aber ihre Gesamtbilanz ist erstaunlich. Zu Hause sind sie schwer zu schlagen. Es gibt wirklich gute Anzeichen.

DZBT: West Ham hat in der letzten Saison die Conference League gewonnen, und die Aufmerksamkeit, die sie generiert hat, hat dem Wettbewerb eine gewisse Anerkennung verliehen. Sollte Aston Villa die Conference League als Priorität setzen?

RDM: Ich denke, Aston Villa sollte die Conference League in dieser Saison definitiv priorisieren. Ein Pokal ist ein Pokal! Es ist vergleichbar mit dem Carabao Cup – sobald man das Viertelfinale erreicht, muss man versuchen, ihn zu gewinnen. Trophäen sind eine Bestätigung für die harte Arbeit. Sie machen alles besser!

Bevor er die Leitung von Villa übernahm, war Di Matteo auch in der Bundesliga tätig (bei Schalke 04). Nach einem spektakulären Absturz ist der Traditionsverein nun in der zweiten Liga.

DZBT: Was halten Sie von Harry Kanes Einfluss bei Bayern? Gibt es nach oben hin keine Grenzen?

RDM: FC Bayern München startet jede Saison mit dem Anspruch, alle Titel zu gewinnen. Immerhin erreichen sie normalerweise mindestens das Halbfinale der Champions League. Es ist gut, dass Kane bei einem Weltverein spielt. Es ist noch besser, dass er so einen positiven Einfluss hat.

Es ist nie einfach, im Ausland zu spielen. Bayern ist aber ein sehr gut geführter Verein, und ich bin mir sicher, Harry fühlt sich sehr wohl in München. Er hat sich sofort eingelebt –das merkt man an seiner Leistung! Wir haben alle erwartet, dass er gut startet. Dass er so viele Tore schießt, ist eine positive Überraschung.

DZBT: Kane ist unglaublich. Er erzielt Tore wie im Schlaf. Glauben Sie, dass es Bundesliga-Spieler gibt, die in der Premier League erfolgreich sein könnten? Moussa Diaby hat in dieser Saison in England geglänzt. Wer könnte der nächste große Star sein?

RDM: Jamal Musiala hat das Potenzial, die Premier League zu erobern. Trotz seiner jungen Jahre hat er bereits viele Spiele absolviert. Sein Spielstil ähnelt dem von Jude Bellingham – beide sind Box-to-Box-Spieler, die Tore erzielen können. Musiala könnte in England Großes erreichen, aber es wird sehr schwierig sein, einen Spieler aus Bayern München zu verpflichten!

 

Neben dem Champions-League-Sieg wird Roberto Di Matteo von den Chelsea-Fans auch dafür in Erinnerung bleiben, Eden Hazard zum Verein gebracht zu haben. Nach einer von Verletzungen geplagter Zeit bei Real Madrid, beendete der belgische Maestro seine Karriere in diesem Jahr.

DZBT: Wie war es, Eden Hazard zu trainieren und zu managen?

RDM: Hazard war großartig zu managen. Er war noch sehr jung, als er zu Chelsea kam, aber er war begeistert, bei so einem großen europäischen Club zu spielen. Eden war im Training und in Spielen enorm. Er war so enthusiastisch und fantastisch zu managen.

DZBT: Man hört manchmal Geschichten über Spieler im Training. Wie war das bei Hazard? Hat er Sie mit seiner Fähigkeit im Training verblüfft?

RDM: Bei Chelsea hatten wir kaum schlechte Verteidiger und Eden dribbelte locker an zwei oder drei vorbei. Es war ein Privileg, einen Spieler wie ihn im Training zu sehen.

DZBT: Hazard hat im Fußball so viel erreicht. Waren Sie enttäuscht darüber, wie er sich aus dem Spiel verabschiedet hat?

RDM: Ich weiß nicht, was nach seinem Wechsel von Chelsea zu Real Madrid passiert ist. Die Leistungen, die er in London so regelmäßig zeigte konnte er in Spanien nie wirklich wiederholen. Es ist wirklich schade, dass ein so talentierter Spieler so früh aufgehört hat.