Eishockey in Europa

Eishockey in Europa

Wer denkt, dass Eishockey allein in Nordamerika ein Publikumsliebling ist, liegt ganz schön daneben. Auch in Europa ist die rasante Sportart auf Schlittschuhen äußerst beliebt und hat viele Fans. Egal, ob in Schweden, Österreich, Tschechien oder Deutschland – Hockey nimmt in der europäischen Sportwelt einen hohen Stellenwert ein.

Besonders im Norden Europas ist Eishockey beliebt. In Finnland und Schweden etwa gehört die Sportart zu den beliebtesten und am meisten ausgeführten – sowohl im professionellen als auch im Amateurbereich. Das war übrigens auch schon früher so: Bis in die 1920er reichen die Anfänge des Eishockeysports in diesen und auch einigen anderen Ländern zurück. Damals lag das hauptsächlich an den günstigen natürlichen Bedingungen dafür. Man spielte auf natürlichem Eis und war daher stark vom Klima abhängig.

Doch auch Deutschland hat sich über die Jahre seinen festen Platz in der europäischen Eishockeywelt aufgebaut. Ikonen wie Udo Kießling und Erich Kühnhackl haben ihren Beitrag dazu geleistet, den Sport groß herauszubringen. Junge Talente wie Leon Draisaitl und Tom Kühnhackl – der Sohn von Erich – schafften es nach ihrem Karrierestart bei ihren Heimatvereinen in Deutschland zu einer internationalen Karriere in der NHL.

Die Ligalandschaft in Europa ist vielfältig. Neben Turnieren in den einzelnen Ländern gibt es zudem einige europäische Wettbewerbe von Bedeutung. Zu den bekanntesten Ligen gehören unter anderem die DEL in Deutschland, die schwedische SHL und die finnische Liiga. Als Europaliga dient die Champions Hockey League – dabei können sich die besten Eishockeynationen Europas miteinander messen und ihr Können zeigen. Einer der ältesten Wettbewerbe ist der Spengler Cup, der jedes Jahr in der Schweiz ausgetragen wird. Dieses Turnier gibt es seit über 100 Jahren.

Du siehst also: Eishockey hat in Europa eine lange Tradition und ist absolut keine neue Modeerscheinung. Wir haben für Dich in diesem Beitrag die Entstehung und die interessante Geschichte des Eishockeys in Europa zusammengefasst. Zudem stellen wir Dir die bedeutendsten Wettbewerbe in der Sportart vor und versorgen Dich in unserem Pop-Quiz mit einigen Fun-Facts.

Grundwissen zum Eishockey in Europa

  • Das Eishockey in Europa blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bereits im 19. Jahrhundert gründeten sich die ersten Vereine. Die meisten nationalen Ligen und einige bis heute bestehende Wettbewerbe wurden in den 1920ern ins Leben gerufen.
  • Der Spengler Cup in der Schweiz gilt als das älteste professionell organisierte Eishockeyturnier der Welt: Seit 1923 lädt der Hockeyclub Davos Hockeymannschaften aus Europa und der ganzen Welt ein. Nur einige wenige Jahre musste der Wettbewerb ausfallen – zuletzt wegen der Coronapandemie. Rekordsieger ist Team Canada mit 16 Titeln, knapp danach folgt Gastgeber HC Davos mit 15 Siegen.
  • Über die Jahre haben sich nationale Eishockeyligen in den verschiedensten Ländern Europas organisiert und immer wieder weiterentwickelt. Zu den bekanntesten und wichtigsten gehören heute unter anderem die schwedische Svenska Hockeyligan (SHL), die finnische Liiga und die deutsche Hockeyliga (DHL). 
  • Die International Ice Hockey Federation (IIHF) war und ist für die Organisation vieler europäischer Wettbewerbe im Eishockey zuständig. Zusätzlich gibt es auch Turniere, die von einzelnen Landesverbänden, Zusammenschlüssen oder anderen Organisationen veranstaltet werden.
  • Die seit 2014 unter diesem Namen durchgeführte Champions Hockey League (CHL) ist heute der höchste Wettbewerb für Eishockeymannschaften in Europa. Im Rahmen des Wettbewerbs wird der Europapokal ausgespielt.
  • Mit der European Women’s Hockey League (EWHL) gibt es seit 2004 eine Eishockeyliga für weibliche Spielerinnen. Daran nehmen vor allem Teams aus Mitteleuropa teil, etwa Ungarn, Österreich oder die Slowakei. Zusätzlich zu der Liga wird jährlich der EWHL Super Cup durchgeführt. Auch bei diesem Turnier stammt das Teilnehmerfeld vornehmlich aus Mitteleuropa – 2021/22 war mit dem Majadahonda HC zum ersten Mal ein spanischer Verein dabei.

Die traditionsreiche Geschichte des Eishockeys in Europa

Wie auch in Nordamerika gehen die ersten Anfänge und Vorläufer des Eishockeys bereits bis ins 19. Jahrhundert zurück. In Deutschland etwa gilt der Augsburger EV als einer der ältesten Vereine: Er wurde im Jahr 1878 gegründet. 

Nach der Jahrhundertwende wurden in Berlin die Stadtmeisterschaften ausgetragen. Auch in der Schweiz ging es in den 1900ern los: 1909 wurden dort die ersten Meisterschaften veranstaltet. Der Hockeyclub Davos veranstaltet zudem seit 1923 den Spengler Cup – der ist nicht nur bis heute eines der größten Sportevents in der Schweiz, sondern zudem das älteste internationale Eishockeyturnier weltweit.

Auch die italienische Liga A gehört zu den älteren Eishockeyligen in Europa: Im Jahr 1925 wurde sie zum ersten Mal organisiert. Überhaupt erlangte der Eishockeysport in den 1920ern immer mehr Popularität in Europa. Die Sportart wurde beliebter, es entstanden mehr Vereine und Dachverbände. In Schweden gab es 1922 erstmals eine nationale Meisterschaft, in Finnland dann 1928 die SM-sarja. Mit dem Tatra Pokal wurde in der Slowakei 1929 eines der ältesten bis heute bestehenden Eishockeyturniere nach dem Spengler Cup gegründet.

Zudem traten in diesem Jahrzehnt viele Länderverbände der International Ice Hockey Federation (IIHF) bei. So wurde das Eishockey langsam auch über die Grenzen der einzelnen Länder hinaus organisiert.

In Deutschland gab es ab 1948 die Eishockey-Oberliga als oberste Spielklasse. 1958 wurde diese von der deutschen Eishockey-Bundesliga abgelöst.

In den 1960ern begann das Eishockey in Deutschland, sich professioneller zu organisieren. Im Jahr 1963 gründete sich der Deutsche Eishockey-Bund (DEB). Von dem kam auch die Idee des Eishockey-Europapokals – der 1965 in die Tat umgesetzt wurde. In der ersten Spielzeit traten dabei 14 nationale Meister gegeneinander an. Mehr als 3 Jahrzehnte lang sollte dieser Wettbewerb der wichtigste im europäischen Eishockey bleiben. Rekordmeister war der Hockeyclub ZSKA Moskau mit 20 Titeln.

Im Jahr 1991 kam ein weiterer bekannter Eishockeywettbewerb hinzu: Die Alpenliga wurde von Österreich, Italien und Slowenien gestartet. Sie war für Eishockeyvereine südosteuropäischer Länder gedacht und wurde später von der Interliga abgelöst.

In Deutschland löste 1994 die Deutsche Eishockey Liga (DEL) die Eishockey-Bundesliga ab. Ähnlich wie die nordamerikanische NHL war die Liga wie ein Wirtschaftsunternehmen aufgebaut – dies war zu der Zeit eine Neuheit in Deutschland.

1996 fand der Eishockey-Europapokal zum letzten Mal statt – im selben Jahr wurde die European Hockey League (EHL) eingeführt. Die wurde von der IIHF organisiert und war zu ihrer Zeit die wichtigste Liga für Vereine im europäischen Eishockey. Wie auch bereits beim Europapokal traten hier die Meister der ersten Ligen der verschiedenen Länder Europas gegeneinander an. Nur ein Jahr später wurde zusätzlich der IIHF Continental Cup eingeführt – gewissermaßen als 2. Liga, für alle Vereine, die es nicht in die EHL schafften. 

Die EHL kam jedoch nicht so gut an, wie erhofft – weder bei Fans noch bei den Vereinsmannschaften. Nach wenigen Jahren wurde die EHL deshalb im Jahr 2000 auch schon wieder eingestellt und vorerst mit keinem neuen Wettbewerb ersetzt. Der Continental Cup dagegen wird bis heute ausgetragen. 

Anfang der 2000er kam wieder etwas mehr Bewegung in die europäische Eishockeywelt – zuerst bei den Damen. 2004 wurde die European Women’s Hockey League (EWHL) ins Leben gerufen. Sie wird bis heute jährlich ausgetragen, zuletzt mit 10 teilnehmenden Mannschaften. Als Vorbild galt die Interliga – die jedoch 2007 wieder eingestellt wurde, während die EWHL bis heute besteht.

Zwischen 2005 und 2008 veranstaltete die IIHF den European Champions Cup als inoffiziellen Nachfolger der EHL. In der Saison 2008/09 löste die Champions Hockey League dann diesen Wettbewerb ab – allerdings nur für eine Saison. Danach folgte eine längere Pause, in der unter anderem Ersatzwettbewerbe wie die European Trophy organisiert wurden.

2014 wurde die CHL schließlich wieder aufgenommen. Seitdem findet der Wettbewerb jährlich statt und gilt als der wichtigste im europäischen Eishockey. 32 Mannschaften nehmen daran heute teil – der Sieger darf sich Eishockey-Europameister nennen.

Ein Überblick über die Eishockeywettbewerbe in Europa

Viele Länder Europas haben ihre eigene nationale Eishockeyliga. Im Jahr 2008 haben sich die besten Ligen Europas zusammengeschlossen und den Verband Hockey Europe gegründet. Seine Mitglieder sind:

  • Deutsche Eishockey Liga (Deutschland)
  • National League (Schweiz)
  • ICE Hockey League (Österreich)
  • Liiga (Finnland)
  • Tipsport Liga, auch bekannt als Extraliga (Slowakei)
  • Svenska Hockeyligan (Schweden) 
  • Tipsport Extraliga (Tschechien)

Zusätzlich gibt es zahlreiche europäische Wettbewerbe, bei denen sich die besten Vereine der einzelnen Länder oder deren Nationalmannschaften miteinander messen. Die meisten dieser Wettbewerbe organisiert die IIHF. Die hat heute ihren Sitz in der Schweiz und zählt über 80 Landesverbände zu ihren Mitgliedern. In Europa veranstaltet die IIHF Meisterschaften und andere Wettbewerbe für Herren, Damen und Junioren. Wir stellen Dir die bedeutendsten und bekanntesten vor:

Champions Hockey League (CHL)

Die CHL ist der wichtigste Wettbewerb im europäischen Eishockey. Die besten Vereine kämpfen hierbei um den Titel als Europameister. In der Geschichte gab es einige Vorgänger dieses Turniers – die heutige CHL besteht seit 2014.

Der Wettbewerb beginnt mit einer Gruppenphase, gefolgt von K.-o.-Runden. Das Finale findet jedes Jahr im Februar oder März statt. 32 Mannschaften aus ganz Europa treten bei der CHL gegeneinander an. Dazu gehören die besten der sogenannten Aktionärsligen, die die CHL gründeten (DEL, Liiga, ICE Hockey League Österreich, SHL, National League Schweiz, Extraliga Tschechien). Diese bekommen insgesamt 18 Startplätze. Ein weiterer Startplatz ist für den Titelverteidiger reserviert. Zusätzlich werden 5 Wild Cards vergeben. Letztere können aus anderen Länderligen kommen. Rekordmeister der CHL ist der schwedische Frölunda HC mit 4 Titeln.

IIHF Continental Cup

Der seit 1997 durchgeführte Continental Cup nimmt gewissermaßen die Stellung als 2. Liga hinter der CHL ein. Der Wettbewerb ist für all diejenigen Vereine und Länder gedacht, die nicht bei der CHL dabei sind – Vereine der Aktionärsligen sind davon ausgeschlossen. In den letzten Saisons gingen jeweils 19 Teams an den Start, darunter Vereine aus Kasachstan, Großbritannien, Slowakei, Frankreich und Dänemark. 

Der Sieger bekommt im Folgejahr einen Startplatz bei der CHL. 

Euro Hockey Tour

Die seit 1996 durchgeführte Euro Hockey Tour gilt als inoffizielle Europameisterschaft der Nationalmannschaften im europäischen Eishockey. Hier treten die 4 besten Nationalteams Europas gegeneinander an. Der Wettbewerb besteht aus 4 Turnieren:

  • Czech Hockey Games (Tschechien)
  • Karjala Cup (Finnland)
  • SWISS Ice Hockey Games (Schweiz)
  • Beijer Hockey Games (Sweden Hockey Games, Schweden)

Anstatt der Schweiz war bis vor Kurzem noch Russland dabei – seit dem Angriff auf die Ukraine wurde das Land allerdings von der Euro Hockey Tour ausgeschlossen. 

Euro Hockey Challenge

Die Euro Hockey Challenge wird seit 2011 durchgeführt. Auch sie wird inoffiziell als Europameisterschaft bezeichnet. Hier nehmen die 12 besten Mannschaften der IIHF-Weltrangliste teil. Gespielt wird in einzelnen Spielen, nicht in Turnieren. Die Teams werden dabei in Gruppen eingeteilt und jede Mannschaft absolviert 8 Spiele. Der Wettbewerb findet immer vor der Weltmeisterschaft statt. So haben die Nationalmannschaften Gelegenheit, zu trainieren.

European Ice Hockey Challenge (EIHC)

Die seit 2001 durchgeführte EIHC ist ein Wettbewerb der zweiten Spielklasse für europäische Nationalmannschaften. Es nehmen die 12 führenden Mannschaften der IIHF-Weltrangliste teil, etwa die Ukraine, Niederlande, Norwegen, Frankreich und Großbritannien. In manchen Jahren war auch Japan als nicht-europäischer Vertreter eingeladen. Heute gehören zur EIHC 4 Turniere:

  • EIHC Italy (Italien)
  • Polesie Cup (Belarus)
  • Pannon Hoki Kupa (Kroatien)
  • EIHC Vilnius (Litauen)

European Women’s Hockey League (EWHL)

Seit 2004 gibt es mit der EWHL einen Wettbewerb für die Damen. In den vergangenen Jahren nahmen daran zwischen 9 und 11 Vereine aus verschiedenen Ländern teil. In der Vergangenheit waren auch deutsche Teams vertreten. Vor allem kommen die Vereine der letzten Jahre jedoch aus Österreich, Italien, Ungarn, Slowenien und Kasachstan. Rekordmeister ist der EHV Sabres Wien mit 6 Titeln.

EWHL Super Cup

Zusätzlich zur EWHL wird seit 2011 der Super Cup ausgetragen. Das Turnier, bei dem jeder gegen jeden spielt, wird größtenteils vom österreichischen Eishockeyverband ÖEHV organisiert. In der Saison 2021/22 waren 12 Mannschaften dabei – davon 3 Vereine aus Deutschland. Am häufigsten gewinnen konnten bis jetzt der KMH Budapest und die EHV Sabres Wien mit jeweils 3 Siegen.

Eishockey in Europa: DAZN Bet-Quiz

Die Welt des Eishockeys in Europa besteht aus vielen spannenden Wettbewerben. Zudem – wer hätte es gedacht – blickt der Sport in unserem Teil der Erde auf eine fast genauso lange Geschichte zurück, wie in Nordamerika. Doch wie viel weißt Du eigentlich über CHL, DEL und Eishockey in Europa im Allgemeinen? Teste mit uns Dein Wissen!

Wie viele professionelle Eishockeyligen gibt es in Europa?

In Europa gibt es unzählige Vereine und zahlreiche Ligen – fast jedes europäische Land hat seine eigene Liga. In den meisten Ländern gibt es zudem nicht nur die 1. Liga, sondern zusätzlich niedrigere Spielklassen. In Deutschland etwa ist die DEL die höchste Spielklasse, des Weiteren gibt es die DEL2, die Frauen-Bundesliga und unter anderem mehrere Ligen für die Jugend. Ähnlich ist es in vielen anderen Ländern. So wird es praktisch unmöglich, eine genaue Zahl zu nennen. Zu den bedeutendsten und besten Ligen im europäischen Eishockey gehören neben der DEL außerdem die Schweizer National League, die SHL Schweden und die tschechische Extraliga. 

Welches ist das älteste Eishockeyturnier in Europa?

Mit seiner Gründung im Jahr 1923 ist der Spengler Cup das älteste bekannte internationale Eishockeyturnier in Europa. Das Turnier findet jedes Jahr in der Schweiz statt und wird vom HC Davos gehostet. Es fällt auf die letzte Woche des Jahres – das Finale findet immer am 31.12. statt. Das Teilnehmerfeld besteht aus 6 Mannschaften – eine davon ist traditionell das sogenannte Team Canada, das aus kanadischen Spielern in Europa besteht. Das Team hält auch den Rekord für die meisten Siege in der Geschichte des Turniers: nämlich 16.

Welcher Eishockeywettbewerb ist der bedeutendste in Europa?

Einer der größten und wichtigsten Wettbewerbe ist die CHL. Dabei spielen die besten Teams aus ganz Europa gegeneinander – so wird der Europameister ermittelt. Daran nehmen allerdings einzelne Vereine teil. Für die Nationalmannschaften gibt es die Euro Hockey Tour und die Euro Hockey Challenge. Diese Wettbewerbe werden oft auch inoffiziell als Europameisterschaften bezeichnet und dienen den Teams als Training vor der Weltmeisterschaft.

Wer ist der beste Eishockeyspieler in Europa?

A: Den einen besten Eishockeyspieler Europas zu benennen, ist schier unmöglich. In der Geschichte des Eishockeys in Europa sind viele hervorragende Spieler hervorgekommen, die sich zu Ikonen der Sportart entwickelt haben. Da wäre zum Beispiel der Tscheche Jaromír Jágr, der nach einer glänzenden Karriere in der NHL wieder in der 1. Liga in Tschechien spielt. Schweden brachte unter anderem Sven Tumba und Borje Salming hervor. Bei den Deutschen ist Frederik Tiffels erwähnenswert – der wurde in der Saison 2021/22 zum MVP der CHL gewählt. Des Weiteren sind Patrick Hager und Mario Zimmermann vielversprechende Nachwuchstalente im deutschen Eishockey der Gegenwart.